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VPNÖ-Ebner/Hogl: Billiger Weltmarktzucker kommt uns teuer zu stehen

NÖ Landwirtschaft sichert jeden 5. Arbeitsplatz, 600 Millionen Euro an Investitionen

„Mit unserem täglichen Griff zu heimischen Lebensmitteln sichern wir unsere landwirtschaftlichen Familienbetriebe ab. Dieses Bewusstsein ist wichtig, denn wir sind das Landwirtschaftsland Nummer eins – ein Viertel aller Bauernhöfe liegt in Niederösterreich. Und mit diesem Griff sichern wir Arbeitsplätze, Wertschöpfung und unsere Umwelt“, betont VPNÖ-Landesgeschäftsführer Bernhard Ebner und Landwirtschaftssprecher LAbg. Richard Hogl.

„Die rund 40.000 bäuerlichen Betriebe sichern rund 130.000 Arbeitsplätze im Land. Das heißt, jeder fünfte Arbeitsplatz in Niederösterreich wird durch die Landwirtschaft gesichert. Sie tätigen jährlich 600 Millionen Euro an Investitionen, die zu einem Großteil in der unmittelbaren Region bleibt. Mit der COVID-Investitionsprämie unterstützt hier die Bundesregierung die Landwirtschaft und fördert in unserem Bundesland mindestens 500 Projekte mit 7 Prozent – Projekte im Bereich Ökologisierung, Digitalisierung und Gesundheit werden sogar mit 14 Prozent gefördert. Wir haben in der Krise erlebt, wie wichtig die Versorgung mit heimischen Lebensmitteln ist – die Landwirtschaft ist eine systemrelevante Infrastruktur“, so Ebner.

Bis Ende Oktober muss Zusage für 38.000 Hektar Zuckerrübenfläche stehen

„Teil vieler Lebensmittel ist der Grundstoff Zucker. Heute wird unser Zucker aus heimischen Zuckerrüben gewonnen. Ein Trend im Zuckerrübenanbau ist aber besorgniserregend: Wir bauen auf immer weniger unserer Ackerflächen Zuckerrüben an. Das bedeutet, dass wir in Zukunft vielleicht mehr auf billigen Zucker aus dem europäischen Ausland zurückgreifen müssen – und davor kann ich nur warnen, denn billiger Weltmarktzucker würde uns teuer zu stehen kommen. Bis vor wenigen Jahren wurden jährlich in Österreich auf 40.000 Hektar Zuckerrüben angebaut, im Weinviertel waren es alleine 25.000 Hektar. Heuer werden in Niederösterreich nurmehr auf 18.000 Hektar Zuckerrüben angebaut, österreichweit sind es 26.000 Hektar. 1938, 1958 oder in den 1970er Jahren waren es gar noch 50.000 Hektar. Seit mehr als 100 Jahren spielt der Zuckerrübenanbau auf den heimischen Feldern eine wichtige Rolle. Es ist wichtig, dass wir jetzt an einem Strang ziehen, um die heimische Zuckerproduktion zu sichern. Den Rückgang der Anbauflächen spüren wir bereits jetzt: Die AGRANA denkt darüber nach, die Zuckerfabrik in Leopoldsdorf im Marchfeld zu schließen. Dabei setzen sich LH-Stv. Stephan Pernkopf und Landwirtschaftsministern Elisabeth Köstinger im Dialog mit der AGRANA für den Erhalt der Fabrik ein – Ergebnisse der Gespräche sind, dass die Fabrik geöffnet bleiben kann, wenn 2021 38.000 Hektar Anbaufläche zur Verfügung stehen. Aktuell laufen die Kontrahierungsgespräche – also die Vertragsgespräche der AGRANA mit den Landwirten. Bis Ende Oktober müssen die Zusagen zu den 38.000 Hektar Anbaufläche also stehen – die Zeit drängt“, betont Landwirtschaftssprecher Hogl.

„Wenn wir von Zuckerimporten abhängig werden würden, müssten wir ihn aus Ländern mit Zuckerrohrplantagen zukaufen. Dabei wird auf solchen Betrieben meistens Regenwald abgeholzt, Boden ausgelaugt, Pestizide in unkontrollierten Maßen eingesetzt und die Menschen vor Ort ausgebeutet – dazu kommen die langen Transportwege aus Übersee. Die Folgen wären verheerend für die Umwelt. Eine Zuckerrübe wiegt rund 800 Gramm und enthält 18 Prozent Zucker. Auf einem Hektar können 68 bis 85 Tonnen Zuckerrüben geerntet werden, das entspricht in etwa 14 Tonnen Zucker. Das heißt, um 1.000 Kilogramm Zucker zu gewinnen braucht es ungefähr eine Fläche von 750 Quadratmetern – damit kann der Bedarf von 30 Österreichern für ein Jahr gedeckt werden. Durchschnittlich nimmt jeder von uns pro Jahr rund 33 Kilogramm Zucker zu sich“, so der Landwirtschaftssprecher.

„Unsere heimischen Betriebe garantieren kurze Transportwege und eine nachhaltige Arbeitsweise. Dafür sorgen zum einen die hohen Qualitätsstandards die in Österreich eingehalten werden müssen, zum anderen sind es die familiengeführten Betriebe die eine nachhaltige und in Generationen denkende Arbeitsweise mitbringen. Sie sind es auch, die einen großen Teil der heimischen Wälder pflegt – hier konnte zuletzt mit dem Waldfondsgesetz ein Schritt gesetzt werden, um bei der Bewältigung der Herausforderungen in der Forstwirtschaft zu unterstützen. Das Maßnahmenpaket umfasst ein Volumen von 350 Millionen Euro – so halten wir die heimischen Wälder vital und klimafit“, betont Landesgeschäftsführer Ebner.

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